Kinderstube Wald und Feld.

Foto
Foto
Naturfreunde, die jetzt, im Frühjahr, draußen unterwegs sind, wissen es: Überall entsteht neues Leben. An Uferrändern, in Feldern und im Dickicht der Wälder - häufig im Verborgenen.

Wenn die Fuchswelpen vor dem Bau in der Sonne spielen oder die Ricke mit dem Kitz aus dem Wald tritt und es säugt. Das sind unvergessene Momente!

Wir laden auch die nicht jagende Öffentlichkeit ein, einen Blick in die Kinderstuben der Wildtiere zu wagen, die man auch in Mülheim bzw. in unserer Region antrifft. Wie kommen die Jungen auf die Welt – und wodurch sind sie gefährdet?

Hier ein kleiner Überblick, nicht nur für Jäger:


Rehwild (lat: Capreolus capreolus)
Man sieht sie häufig in den Saarner Ruhrauen oder im Auberg.

Die Ricke bringt 1-2, manchmal 3 Kitze zur Welt. In den ersten Tagen liegen sie, durch helle Flecken gut getarnt und ohne Eigengeruch, gut versteckt in der Deckung. Die Ricke lässt sie überwiegend alleine und kommt nur zum Säugen. Haftet menschlicher Geruch am Kitz, wird es vom Muttertier verstoßen, allein liegende Kitze also bitte nie anfassen!

Von einem qualvollen Tod bedroht sind die Kitze wenn bald die ersten Wiesen gemäht werden. In Mülheim gibt es erfreulicher Weise einige Landwirte die die Jäger rechtzeitig informieren. Am Vorabend der Mahd gehen diese dann mit angeleinten Hunden die Wiesen ab und „verstänkern“ das Gebiet durch den menschlichen Geruch. Dies hindert die Ricken daran, die Kitze dort abzulegen. Manchmal werden Kitze gefunden, die dann mit Handschuhen oder Grasbüscheln an den Feldrand gebracht werden.

Wenn Sie daran interessiert sind, den Mülheimer Jägern bei dieser Aktion zu helfen, melden Sie sich bitte unter: info@muelheimer-jaeger.de oder telefonisch: 02834-9430344. Helfer sind gerne gesehen und vielleicht wird es für Sie auch ein tolles Erlebnis!

Eine weitere Gefahr sind wildernde Hunde, die die noch tragenden Ricken hetzen. Manchmal kommt es dadurch zur Fehlgeburt, immer wieder werden die trächtigen, nicht mehr so beweglichen Tiere von Hunden gerissen.

Als Fressfeinde der Kitze gelten Rotfuchs und Wolf.
 

Rotfuchs (lat: Vulpes vulpes)
Als „Kulturfolger“ ist der Rotfuchs mittlerweile immer häufiger nicht nur in der freien Natur sondern auch in Siedlungen und Gärten anzutreffen. Er gilt als Überträger einiger Krankheiten, wie z.B. dem Fuchsbandwurm.

In der Sicherheit des Fuchsbaus wirft die Füchsin 3 – 5, gelegentlich auch mehr Junge. Die Welpen sind bei der Geburt blind und wiegen 80 – 160 Gramm. Nach 12 bis 14 Tagen öffnen sie die Augen und nach 4 Monaten sind sie bereits selbstständig. Erst mit knapp einem Jahr verlassen die Jungen die Mutter, um sich ein eigenes Revier zu suchen.

Bedroht ist der Fuchs wenn - u.A. durch Überpopulation - Krankheiten wie Räude, Staupe oder Tollwut entstehen. Fressfeinde sind Luchs, Steinadler oder Wolf, die in unserer Region nicht vorkommen.
 

Wildschwein (lat: Sus scrofa)
Mittlerweile gibt es sie auch im Ruhrgebiet. Man sieht sie beim Spaziergängen kaum, aber sie sind da! Wildschweine leben in strukturierten Familienverbänden, sogenannten „Rotten“.

Vor der Geburt richtet die Bache im dichten Dickicht einen sogenannten „Frischkessel“ aus Zweigen und Blättern her. Dieser ist oft nach Süden ausgerichtet damit er optimal von der Sonne erwärmt werden kann.

Nach 3 Monaten, 3 Wochen, 3 Tagen kommen im Durchschnitt 7 Frischlinge zur Welt. Sie wiegen zwischen 740 und 1100 Gramm – ausgewachsene Wildschweine können 100 kg und mehr wiegen! Nach 1 – 3 Wochen – je nach Wetterlage - verlässt die Bache erstmals mit den Jungen den Kessel. Gesäugt werden die Kleinen bis 3,5 Monate. Weibchen verteidigen ihre Jungtiere energisch. Dabei kann es auch zu nicht ungefährlichen Angriffen auf Menschen kommen.
Wenn es während ihrer ersten drei Lebenswochen zu Kälteeinbrüchen und Nässeperioden kommt, ist die Sterblichkeit unter den Jungtieren relativ hoch. Fressfeinde der Frischlinge sind Wölfe, Bären und Luchse.
 

Stockente (Anas platyrhynchos)

Stockenten bauen Ihre Nester meist auf dem Boden in der Nähe des Wassers, manchmal aber auch weit davon entfernt. Einmal jährlich brüten sie 25 bis 28 Tage lang 7 - 16 Eier aus.

Ihre Mutter erkennen die Stockenten-Jungen an einem Lockruf, den die Mutter hören lässt, sobald die Küken schlüpfen. Stockenten-Küken sind Nestflüchter: Sie verlassen das Nest gleich am ersten Tag und werden von der Mutter geführt. Schwimmen können sie von Anfang an. Nach 50 bis 60 Tagen können die Kleinen fliegen und sind selbstständig.

Die natürlichen Feinde der Stockente sind Füchse, Waschbären - der mittlerweile auch im Ruhrgebiet vorkommt - und Greifvögel. Wanderratten und Marder haben es vor allem auf die Entengelege abgesehen
 

Wildkaninchen (lat:Oryctolagus cuniculus)

Nach gut 30 Tagen Tragezeit kommen im Erdbau 5 -6 Jungtiere zur Welt. Sie sind bei der Geburt noch nackt und blind. Die Mutter lässt die Jungen überwiegend alleine und besucht das Nest nur zum Säugen ihres Nachwuchses. Die Säugezeit dauert etwa vier Wochen, danach sind sie bereits selbständig.

Die Sterblichkeit liegt häufig bei gut 90 Prozent. Grund hierfür sind insbesondere die zahlreichen Fressfeinde wie Rotfuchs, Greifvögel, Eulen, Marder, Wiesel, Iltis, Hermelin, Luchs und Wolf.

Außerdem sind Wildkaninchen von Krankheiten wie der Myxomatose bedroht. Die Schleimhäute schwellen bei dieser Viruserkrankung an und die Sterblichkeit beträgt 40-60%. Bei der Chinaseuche, die in den letzten Jahren vermehrt auftritt, liegt die Sterblichkeit sogar bei 100%
 

Feldhase (lat: Lepus europaeus)

Der Feldhase ist das Wildtier des Jahres 2015. Seine Existenz ist ernsthaft gefährdet.

Die Häsin wirft 1–5, manchmal 6 Junge in einer windgeschützten Feldmulde. Die Junghasen wiegen 100–150 g und kommen behaart und sehend auf die Welt. Die Häsin kommt nur ein paar Mal täglich zum Säugen vorbei, ansonsten sind die Kleinen auf sich alleine gestellt. Junghasen also bitte nie anfassen oder mitnehmen, die Häsin kommt wieder!

Leider wird über die Hälfte der Junghasen nicht einmal ein Jahr alt. Ein Grund dafür ist die Intensivierung der Landwirtschaft. Der Feldhase verliert immer mehr Lebensräume und Nahrungsquellen. Äcker werden vollständig abgeerntet und liegen nicht mehr brach. Felder werden so angelegt, dass sie dem Feldhasen keine Versteckmöglichkeiten mehr bieten.

Da die kleinen Hasen nicht im Schutze eines Baus sondern oberirdisch aufwachsen, sind sie leichte Beute für zahlreiche natürliche Feinde. Dazu gehören Wildschweine und Füchse, Greifvögel wie Bussard und Milan, außerdem Rabenvögel wie Krähen und Elstern. Auch wildernde Hunde und Katzen können ihnen gefährlich werden.

Text: Anke Bellingen
Foto